Was ein Wurm erzählen kann

Prof. Dr. Michael Hengartner, Institut für Molekulare Biologie der UZH

Illustration: Romana Semadeni

Ein Mensch ist kein Wurm. Und doch ist der Wurm uns viel ähnlicher, als man auf den ersten Blick denken könnte.  Er besteht aus vielen Zellen, die ähnlich funktionieren wie bei uns.  Er hat ein Hirn, Muskeln, einen Magen, muss nach Nahrung suchen und sich vor Gefahr schützen. Er ist bestrebt, viele Kinder zu kriegen und ihnen eine gute Zukunft zu geben. 

Können wir etwas über uns selber lernen, in dem wir uns einen Wurm genauer anschauen? Genau diesen Ansatz verfolgen Forscher auf der ganzen Welt, die “Modellorganismen” studieren.  Modellorganismen helfen uns zu verstehen, wie der Mensch sich entwickelt und wie Krankheiten entstehen.  Mehrere Nobelpreise wurden schon an Wurm- und Fliegenforscher vergeben.

Beispiele von Modellorganismen sind die Taufliege Drosophila, die Haus Maus, der Zebrafisch und der Nematode Caenorhabditis elegans.  Weil “Caenorhabditis elegans” etwas kompliziert zu schreiben und auszusprechen ist, nennen wir ihn auch einfach “der Wurm”. 

C. elegans ist winzig klein (1 mm lang), ernährt sich von Bakterien, und lebt normalerweise im Komposthaufen. Im Forschungslabor züchten wir ihn in Plastikschalen, um ihn unter dem Mikroskop beobachten zu können. 

In meiner eigenen Forschung mit dem Wurm beschäftige ich mich vor allem mit der „Apoptose“, das heisst mit einem überraschenden Prozess, in dem eine Zelle stirbt, damit der ganze Körper überleben und sich noch besser Entwickeln kann. Apoptose gibt es eben auch beim Menschen.  Bei uns schützt er uns vor Krebs und Infektionen. 

In meinem Vortrag werde ich euch über dieses „Winkelriedprogramm“ berichten und über viele andere interessante Erkenntnisse, die wir dank der Forschung am Wurm gewonnen haben.