Werkzeuge und Freunde: Wozu brauchen das Delfine?

Dr. Michael Krützen, Anthropologisches Institut der UZH

Illustration: Romana Semadeni

Jeder braucht Freunde – dies gilt nicht nur bei uns Menschen, sondern auch bei unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen. Was für Menschen und Menschenaffen recht und billig ist, spielt auch eine sehr grosse Rolle bei vielen Meeressäugetieren, und hier vor allem bei Delfinen.

Schon seit über 30 Jahren werden die Delfine in der Shark Bay an Australiens Westküste beobachtet. Über die Zeit haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Beziehungen von Delfinmännchen untereinander extrem kompliziert sein können. So haben fast alle Delfine beste Freunde, mit denen sie manchmal gegen andere Delfinmännchen kämpfen. Diese Freundschaften können viele Jahre andauern und manche Männchen verbringen fast ihre gesamte Zeit mit ihrem besten Kumpel. Worum geht es bei diesen Freundschaften? Kann man diese Freundschaften mit denen beim Menschen vergleichen – und worin sind sie einzigartig?

Ein anderes wichtiges Thema unserer Forschung in Australien ist die Weitergabe von Wissen unter Delfinen. Die Hüterinnen des Wissens bei den Delfinen – wie bei so vielen Tierarten – sind die Weibchen. Delfine in Shark Bay haben einen tollen Trick entwickelt, um an Futter zu kommen: Sie benutzen marine Schwämme als Werkzeuge. Dies muss jedoch erlernt werden. Uns interessiert, wer von wem lernt, ob der Werkzeuggebrauch den Delfinen Vorteile verschafft, und ob alle Delfine diesen Trick lernen können. Was bedeutet es für den Menschen, wenn sowohl Delfine als auch Menschenaffen ihr Wissen durch Lernen und Lehren weitergeben können?

Die Arbeit am Anthropologischen Institut der Universität Zürich erlaubt mir, diesen Fragen sowohl bei den Delfinen als auch Orang-Utans nachzugehen, um so hoffentlich auch mehr über unsere eigene Art, den Homo sapiens, zu lernen.