Will ich auch! Wie Werbung uns beeinflusst

Die Dozierenden: Prof. Dr. Gabriele Siegert und Dr. Dieter Brecheis

Wir sehen sie auf dem Weg in die Schule, im Tram, beim Einkaufen, auf unserem Handy, im Internet, im Fernsehen, ja sogar auf dem WC im Sportstadion: Werbung. Versucht doch einmal zu zählen, wie viele Plakate Euch auf Eurem Schulweg auffallen. Oder schnappt Euch beim nächsten Tramfahren mal eine Gratiszeitung und zählt nach, wie viele Inserate Ihr entdeckt! Ihr werdet feststellen: Werbung begegnet uns jeden Tag auf Schritt und Tritt. Entweder ganz offensichtlich und erkennbar, wie z.B. ein Werbespot im Kino oder im Fernsehen. Oder quasi im Tarnanzug, so dass uns gar nicht auffällt, dass wir umworben werden, wie z.B. im Fall der so genannten Schleichwerbung.

Ob Werbung gut oder schlecht ist, sieht wohl jede und jeder ein wenig anders. Darum wollen wir in dieser Vorlesung versuchen, die Grundfragen zur Werbung zu beantworten:

• Was ist Werbung eigentlich?

• Was will die Werbung von uns?

• Welche Funktionen hat die Werbung noch?

• Warum will Werbung Kinder und Jugendliche ansprechen?

• In welchen Formen tritt Werbung auf?

• Wie können wir Werbung erkennen, auch wenn sie sich tarnt?

Die Antworten auf diese Fragen sollen Euch zeigen, wie man am besten mit Werbung umgeht.

Gabriele Siegert: Mehr über mich ...

Schon als Kind wollte ich immer wissen, warum bestimmte Dinge so sind, wie sie sind und wie die Dinge funktionieren. Obwohl mich am Gymnasium vor allem Physik und Geschichte interessiert haben, habe ich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studiert. Später bin dann in die Kommunikations- und Medienwissenschaft gewechselt. Das ist ein sehr spannendes Gebiet, das es nicht als Schulfach gab als ich in die Schule ging. Ich habe an verschiedenen Universitäten in Deutschland und Österreich gearbeitet, bevor ich 2001 in die Schweiz gekommen bin.

Als Professorin für Kommunikations- und Medienwissenschaft interessieren mich fast alle Aspekte der Medien, besonders aber diejenigen, die mit Geld zu tun haben. So z.B. «Warum gibt es bestimmte Zeitungen oder Sendungen?». «Was macht Medien so besonders?» oder «Wer bezahlt eigentlich die Medien?». Die Antwort auf die letzte Frage führt direkt zur Werbung, denn Werbung finanziert viele Medien.

Deshalb beschäftige ich mich sehr intensiv mit Werbung und habe zusammen mit Dieter Brecheis auch ein Lehrbuch darüber geschrieben. Darin erklären wir, was Werbung ist und wie sie heutzutage funktioniert. Einiges daraus wollen wir Euch in der Vorlesung zeigen.

Dieter Brecheis: Mehr über mich ...

Wenn ich irgendwas gut kann, dann Geschichten erzählen. Eigentlich wäre ich gerne zum Radio oder zum Fernsehen gegangen, aber das hätte richtig Zoff mit meinen Eltern gegeben, die wollten, dass ich «Was Richtiges» lerne. Darum habe ich erstmal Matur gemacht und Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg studiert.

Zahlen haben mich aber nicht so fasziniert wie Geschichten. Und deshalb habe ich nach meinem Studium als Texter und Konzeptioner in einem Verlag Werbung von der Pieke auf gelernt. Als Konzeptioner ist man für die Entwicklung der Idee einer Werbung verantwortlich, als Texter muss man die Idee dann in schöne Worte fassen. Das ist manchmal recht einfach, manchmal aber auch wirklich schwere Arbeit. Vor allem dann, wenn das Produkt oder die Dienstleistung, für die man Werbung machen soll, gar nicht so toll sind. Darum war die Arbeit im Verlag auch nach einiger Zeit ziemlich langweilig. Gott sei Dank hat mir meine Uni damals genau zur rechten Zeit ein Stipendium angeboten, damit ich eine Doktorarbeit schreiben konnte.

Nach dem Doktorat habe ich dann als Leiter Marketing Services in der Baumaterialindustrie gearbeitet, und war u.a. für die Werbung, die Verkaufsförderung und den Auftritt der Firma auf grossen Messen wie der Bau oder der Swissbau verantwortlich.

Seit 1992 arbeite ich als selbstständiger Berater und Dienstleister für Marketing und Werbung. Zusammen mit Prof. Dr. Gabriele Siegert habe ich ein Lehrbuch zur Werbung geschrieben (Werbung in der Medien- und Informationsgesellschaft) und eine Vorlesung für Studierende hier an der UZH auf die Beine gestellt.