Warum darf Verleihnix keinen stinkenden Fisch verkaufen?

Prof. Dr.iur. Ulrike Babusiaux, Institut für Rechtswissenschaft der UZH

Illustration: Romana Semadeni

Verleihnix ist der Fischhändler des gallischen Dorfes, in dem Asterix und Obelix leben. Dieses Dorf ist – wie wir aus den Abenteuern von Asterix und Obelix wissen – der winzige Teil Galliens, also Frankreichs, der nicht von den Römern besetzt war. Römer sind ursprünglich die Bewohner der Stadt Rom; seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. haben sie aber nicht nur Italien, sondern weite Teile Europas (und sogar Nordafrikas) besetzt. Das war nicht immer so lustig, wie es in Asterix ist. Aber die Römer brachten trotzdem etwas Wertvolles mit: Das römische Recht.

Unter Recht versteht man die Regeln, die für das Zusammenleben der Menschen gelten, und die man – wenn sich jemand nicht daran hält – auch vor einem Gericht durchsetzen kann. Das römische Recht war deshalb so beliebt, weil es ein besonders genaues und „gut gemachtes“ Recht war. Das erklärt, warum es von den Völkern, die von den Römern erobert wurden, gerne übernommen wurde. Auch in Gallien galt daher römisches Recht. Dieses Recht verlangte zum Beispiel, dass der Verkäufer einer Sache dem Käufer ehrlich sagte, wenn die Sache, die er verkaufte, nicht einwandfrei war. Oder – um zu Verleihnix zurückzukommen –, wenn der Fisch nicht ganz frisch war, sondern schon ein paar Tage alt und stinkig. In der Vorlesung wollen wir anschauen, wie dieses Recht genau aussah und wie es sich entwickelt hat.