Filme ohne Kamera – Experimentelles Arbeiten am Filmmaterial

Farbensturm

Ein Film ohne Kamera (produziert im Workshop «Filme ohne Kamera»). 

 

 

Filme waren nicht immer digital und kamen aus dem Computer. Ursprünglich wurden sie auf analogem Filmmaterial gedreht und bei der Vorführung durch einen Projektor transportiert. Einen analogen Film kannst du – im Unterschied zu einem digitalen – in die Hände nehmen und jedes einzelne fotografierte bzw. gefilmte Bild auf dem Filmstreifen ansehen und studieren. Aber ließe sich ein analoger Film auch herstellen, ohne dafür eine Kamera zu verwenden?  

Wir untersuchen gemeinsam analoges Filmmaterial in 8mm, 16mm und 35mm und zeigen euch ein paar kurze Beispiele aus der Filmgeschichte, anhand derer ihr sehen könnt, wie Filme aussehen, die ohne Kamera hergestellt wurden. Dabei handelt es sich um kurze Filme von Künstler*innen, die auch heute noch, wo man in Kinos meist nur digitale Filme sieht, mit analogem Filmmaterial arbeiten. Danach gestalten wir – wieder ohne Kamera – einen Gemeinschaftsfilm.  

Das Experimentieren mit analogem Filmmaterial gibt euch Einblicke in die Vergangenheit von Film und Kino. Ihr werdet erfahren, wie Film ausgesehen hat, als es noch keine digitalen Filme gab. Analogfilm existiert noch immer, und es gibt Filmemacher*innen, die weiterhin ihre Filme auf Filmmaterial herstellen – insofern sind analoge Filme Teil unserer Gegenwart. Allerdings gibt es kaum noch Gelegenheiten, sie in einer analogen Projektion anzuschauen. In der Beschäftigung mit dem Filmmaterial werdet ihr eine sehr grundlegende Erfahrung machen, die für alle Filme, egal ob analog oder digital, Gültigkeit besitzt: dass Filme Bilder in Bewegung sind und Bilder in der Zeit.  

Wann und wo?

Samstag, 12. November 2022, 10.00–12.15 Uhr 

Detaillierte Informationen zum Ort folgen bei Zulassung zur Veranstaltung.

Programmänderungen vorbehalten!

Wer? 

5. und 6. Klasse 

Volker Pantenburg: Mehr über mich ...

Mein erster Kinofilm war Bernhard und Bianca, ein Zeichentrickfilm mit zwei Mäusepolizist*innen, die durch einen Albatros aus einer schwierigen Situation gerettet werden. Das Kino wurde kurze Zeit später abgerissen. Als Kind und Jugendlicher habe ich Filme hauptsächlich im Fernsehen gesehen, in den sogenannten „dritten Programmen“ in Deutschland gab es oft erstaunliche Filmreihen, zum Beispiel mit Filmen von Jack Arnold, die ziemlich gruselig waren. In einem davon wird ein Mann immer kleiner. Irgendwann ist er so klein, dass er in einem Puppenhaus lebt, nochmals später so winzig, dass er sich mit einer Nähnadel, die größer ist als er selbst, gegen eine Spinne verteidigen muss. Dass ich mich später beruflich mit Filmen beschäftigen würde, wusste ich damals nicht. Eigentlich dachte ich, ich würde Chemie studieren.  

Bevor wir nach Zürich gezogen sind, haben wir knapp 20 Jahre in Berlin gelebt, und die meiste Zeit davon habe ich Seminare zu Filmen unterrichtet. Dabei geht es um die Geschichte dieser Filme und auch darum, wie sie gemacht sind. Besonders interessieren mich Filme, die sich nichts ausdenken, sondern ihre Geschichten in der Wirklichkeit finden. Auch experimentelle Filme, wie wir sie im Workshop anschauen und selbst machen werden, faszinieren mich.     

Stefanie Schlüter: Mehr über mich...

Vor etwas mehr als einem Jahr bin ich mit meiner Familie nach Zürich gezogen, wo ich seither im Seminar für Filmwissenschaft an der Universität arbeite. Vorher habe ich in Berlin gelebt und dort mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen als Filmvermittlerin und Filmwissenschaftlerin gearbeitet. Meine Arbeitsplätze sind Bibliotheken, Filmarchive, Filmfestivals und das Kino, aber ich lese nicht den ganzen Tag nur Theoriebücher, recherchiere und schreibe, sondern ich arbeite auch ganz praktisch im direkten Kontakt mit Filmen und Menschen.  

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist es, Filme (zum Teil in Filmarchiven) ausfindig zu machen, die unter anderem auch für Kinder und Jugendliche interessant sein könnten, sie mit anderen Filmen zu Programmen zusammenzustellen und im Kino zu zeigen. So werden Filme, die die meiste Zeit in Regalen „schlummern“, durch die Projektion auf die Kinoleinwand wieder lebendig. Im Kinosaal entsteht eine Gemeinschaft von Menschen, die die Filme gemeinsam anschauen und dabei mitunter sehr unterschiedliche Erfahrungen machen.  

Diese Filmerfahrungen interessieren mich auch in meiner wissenschaftlichen Arbeit: Wie wirken die Filme auf die Zuschauer*innen? Wie reagiert das Publikum auf die Filme und wie ist die Stimmung im Saal? Wie beschreiben die Zuschauer*innen ihre Filmwahrnehmungen? Welche Überraschungen erleben sie beim Filmeschauen? Hier in Zürich arbeite ich auch mit Studierenden an der Universität und diskutiere solche und ähnliche Fragen mit ihnen. Darüber hinaus arbeite ich oft mit Filmemacher*innen in Workshops zusammen, in denen wir mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Filme herstellen.  

Simone Winkler: Mehr über mich...

Interdisziplinäres Bachelorstudium Literatur-Kunst-Medien mit Schwerpunkt Medienwissenschaft an der Universität Konstanz. Masterstudium der Filmwissen-schaften im Rahmen des Netzwerk Cinéma CH an der Universität Zürich und der Universität Lausanne. Abschluss mit einer Arbeit über historische Diskurse zum Gestischen und Kosmischen in der Filmästhetik um 1920. Hilfsassistentin am Lehrstuhl von Prof. Dr. Jörg Schweinitz von 2017 bis 2019.
Seit 2020 Doktorandin bei Prof. Dr. Daniel Wiegand sowie wissenschaftliche Assistentin und Lehrbeauftragte am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich.