Klick. Klick? Von der Erfindung der Fotografie

Fotografieren ist heute wie die Luft zum Atmen – klick, klick.

Wir machen das ständig, beides. Seit wann und warum, beides?

Fotografieren wurde im 19. Jahrhundert schnell zu einem Exportschlager und zu einem Massenmedium rund um die Welt. Wo kamen die Materialien her, die Chemikalien und Papiere?

Heute wirkt Fotografie fast wie eine materiallose Sache, alles ist digital. Aber früher schleppte man sich mit riesigen Kameras und Platten ab. Dann war da die heute wieder populäre Polaroid-Kamera; einmal «klick» und schon konnte man dem Bild bei seiner Entwicklung zuschauen, als wäre es eine Geburt.

Die Fotografie hat viel mit unserem Leben zu tun, als Erinnerung, als Vision, als Schönheit des Augenblicks, als Entstehung. Halten wir den Atem an. Um Bilder zu machen. Und zu hören und zu sehen, wie sie, die Fotografie, erfunden wurde und immer neu erfunden wird bis heute. Klick?

 

Bettina Gockel: Mehr über mich ...

Ich wurde 1966 in Paderborn, Westfalen, geboren. Meine Mutter, Luise Gockel, förderte mein literarisches Talent; der Vater, Josef Gockel, unterstütze die sportliche Ader und ging jede Woche mit mir zum Schwimmen.
 
In meiner Schulzeit konnte ich von der wunderschönen Stadtbibliothek unterhalb des Doms der bischöflichen Stadt profitieren und verbrachte dort viel Zeit. Neben der Schule schrieb ich für lokale und überregionale Zeitungen über Kunst und Theater, manchmal auch über kulturelle Ereignisse wie den Besuch der englischen Queen Elisabeth in Paderborn. Schon als kleines Mädchen winkte ich der Queen mit einem Fähnchen zu, wenn diese regelmässig ihre Truppen in Paderborn/Sennelager besuchte.
 
Nach der Schulzeit studierte ich in München und Hamburg Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Archäologie und Theaterwissenschaft. Praktika und Jobs, zum Beispiel bei der Bavaria Film GmbH (wo «Das Boot» und «Die unendliche Geschichte» gedreht wurden), waren sehr wichtig, um die zukünftige Berufswahl auszutesten.
Während der Doktorarbeit über den englischen Maler Thomas Gainsborough lebte ich in London, unternahm eine lange Reise durch Nordamerika mit einem standby-ticket der Fluglinie «Delta», um alle Zeichnungen, Graphiken und Gemälde zu sehen, die für die Doktorarbeit wichtig waren. Ich hatte das Glück, während dieser Zeit in Kalifornien ein Stipendium zu haben und erkundete die Kunstsammlungen Kaliforniens mit dem Fahrrad und dem Auto.
 
Später arbeitete ich an den Staatlichen Museen in Dresden in den Abteilungen der Alten Meister, der Neuen Kunst und der Porzellansammlung. Von dort zog ich nach Tübingen um, wo ich an der Universität eine Assistenzstelle innehatte. Während dieser sieben Jahre lehrte und forschte ich und nahm als Stipendiatin längere Zeit Stellen am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin an. Für ein Forschungsprojekt über die Krankheiten moderner Künstler reiste ich in die Schweiz, nach Davos und Bern, um die Werke von Paul Klee und Ernst Ludwig Kirchner zu erkunden. Kurz vor meiner Habilitation war ich Vertretungsprofessorin in Halle an der Saale an einer Kunstakademie und ging von dort an das Institute for Advanced Study in Princeton, USA.
 
Seit Anfang 2008 bin ich Professorin für Geschichte der bildenden Kunst und Fotografie an der Universität Zürich. Seither habe ich mein Wirkungsfeld auf Japan und den arabischen Raum wie auch auf die digitale Forschung ausgeweitet.
Mein letztes Buch beschäftigt sich mit den Farben der Fotografie. Die Vortragsreihe «Geography of Photography» läuft seit vielen Jahren und ist öffentlich zugänglich. Derzeit schreibe ich an einem Buch über die Schweizer Fotografin Annemarie Schwarzenbach, die von der Schweiz aus nach Persien, Nordamerika und Afrika reiste. Ausserdem arbeite ich an Übersetzungen der Doktorarbeit und Habilitationsschrift ins Englische und Japanische.
Ich lebe mit meinem Mann Wolfgang und meiner Norwegischen Waldkatze Krümel in den Toggenburger Bergen.