Wie das Gehirn aus Buchstabensuppe ein Wort macht …

Als Schülerin oder Schüler bemerkst du es jeden Tag: Lesen ist wichtig – aber nicht nur für das Fach Deutsch! Lesen ist eines unserer wichtigsten Kommunikationsmittel überhaupt. Durch das Lesen erwerben wir neues Wissen, es fördert unsere Kreativität, ist wichtig für die Teilhabe in unserer Gesellschaft oder macht einfach Spass.

Dass die meisten von uns in relativ kurzer Zeit lesen lernen, ist eine Meisterleistung unseres Gehirns. Denn im Gegensatz zum Sprechen und Verstehen von Sprache erlernen Kinder das Lesen meist erst ab dem Schuleintritt.

Zum Glück ist unser Hirn so formbar! Denn durch das Lernen und Üben entwickelt sich in unserem Gehirn in kurzer Zeit ein Netzwerk, das uns das Lesen und Verstehen von Buchstaben, Wörtern und ganzen Texten ermöglicht. Aber was den meisten Kindern und Erwachsenen schon nach wenigen Jahren sehr leicht fällt, bleibt für andere ein Leben lang eine grosse Herausforderung.

  • Hast du dir schon einmal überlegt, wie unser Gehirn aus einer Buchstabensuppe ein verständliches Wort macht? Oder warum Kindergartenkinder oft spiegelverkehrt schreiben? Oder wieso das Lesenlernen für manche Kinder so schwierig ist?

Diesen und anderen Fragen gehen wir zusammen nach und schauen, wie unser Gehirn Wörter verarbeitet!

Silvia Brem: Mehr über mich ...

Schon als Kind habe ich viel gelesen. Bücher habe ich richtiggehend verschlungen – ganz besonders Pferdegeschichten haben mich fasziniert.

Zu dieser Zeit war mir noch weitgehend unbekannt, dass fast in jeder Klasse ein Kind sitzt, das mit dem Lesen grosse Mühe hat. Aufgefallen ist mir dies zum ersten Mal an der Kantonsschule. In meiner Klasse war ein Schüler, der massive Schwierigkeiten hatte beim Lesen. Schon da habe ich mich gefragt, weshalb das Lesen für manche Kinder so schwierig ist.

Da mein Lieblingsfach bereits in der Schule Biologie war, war es sehr naheliegend, dass ich später Biologie studiert habe. Das Studium an der ETH hat neben meinem grossen Interesse an Natur und Umwelt auch meine Neugier für das Gehirn geweckt. Mit einem Abschluss in Neurowissenschaften habe ich den Grundstein für meine jetzige Tätigkeit als Hirnforscherin gelegt.

In meiner Masterarbeit an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Zürich, durfte ich an einer Studie mithelfen, die Kinder beim Lesenlernen beobachtete. Die Studie hatte zum Ziel, herauszufinden wie das Gehirn lernt, Schrift zu verarbeiten, und warum manche Kinder nur sehr mühevoll Lesenlernen.

Dieses Thema und sowie auch die Möglichkeit mit neurowissenschaftlichen Methoden dem Gehirn bei der Arbeit «zuzuschauen» hat mich fasziniert und bis jetzt nicht mehr losgelassen. So versuche ich mit meiner Forschungsgruppe zu verstehen, warum vielen Kindern das Lesenlernen schwerfällt und wie man diese Kinder beim Lernen unterstützen kann.

Wir untersuchen aber auch Kinder und Jugendliche mit psychiatrischen Krankheiten und hoffen durch den Einblick in die Funktionsweise des Gehirns, neue Wege zu finden, ihnen zu helfen.

Übrigens bin ich als Mutter von einer Erstklässlerin und einem Vorschulkind auch privat gerade dabei, all die spannenden Schritte der Sprach- und Leseentwicklung live mitzuverfolgen!