(K)eine Zauberei: Wie man Dinge mit Worten tut

Was sind das für «Dinge», die man mit «Worten» tun kann? Gibt es das auch im echten Leben oder muss man dafür zaubern können und einen Zauberstab besitzen?

Tatsächlich haben Zaubersprüche eine lange Geschichte und eine weltweite Verbreitung. Sie veranschaulichen auf eine sehr anschauliche (und «magische») Weise die Vorstellung, dass man mit dem Sprechen etwas herbeiführen kann.

«Katzendreck und Eulenschrei, was verschwunden war, kommt jetzt herbei!»

Ob es wirklich funktioniert («Katzendreck und Eulenschrei, was verschwunden war, kommt jetzt herbei!»), soll uns in der Vorlesung nicht weiter kümmern.

Vielmehr soll im Mittelpunkt stehen, dass wir in unserem Alltag viel häufiger Dinge mit Worten tun, als uns das bewusst ist. Weder müssen wir dafür zaubern können, noch müssen wir lange darüber nachdenken, wie wir das machen.

Es gehört zu dem, was man lernt, wenn man Sprechen lernt und hat damit zu tun, dass wir durch und mit Sprache mit anderen «kommunizieren»: Zum Beispiel versprechen wir anderen etwas oder bitten jemand um etwas, beschuldigen oder beleidigen manchmal sogar jemand, entschuldigen uns für etwas, das wir getan haben oder stellen durch ein paar Worte den Anfang einer Freundschaft her.

Wie genau das funktioniert und was das für «Dinge» sind, die man mit Worten tut, soll in der Vorlesung anhand konkreter Beispiele erläutert werden.

Heiko Hausendorf: Mehr über mich ...

Ich bin in Deutschland aufgewachsen und lebe inzwischen seit mehr als zehn Jahren in Zürich, wo ich als Sprachwissenschaftler am Deutschen Seminar der Universität arbeite. Am Deutschen Seminar interessiert uns alles, was mit gesprochenem und geschriebenem Deutsch zu tun hat, Bücher und Romane genauso wie Einträge auf Twitter oder Gespräche am Smartphone. Viele eurer Deutschlehrer und Deutschlehrerinnen sind bei uns ausgebildet worden.  

Für Sprache habe ich mich nicht schon immer interessiert, und schon gar nicht wollte ich bereits als Kind «Sprachwissenschaftler» werden. Aber ich habe nach und nach Spass am Lernen entwickelt und hatte nach der Matura noch nicht genug davon.

«Malefiz»-Spiel erklären

So habe ich ein Studium der Fächer Deutsch und Geschichte begonnen und hatte das Glück, als Student in einem Forschungsprojekt mitzuarbeiten, in dem wir untersucht haben, wie Kinder das «Malefiz»-Spiel erklären und wie sie dabei nicht nur sprechen (und zuhören), sondern vor allem auf das Spielbrett zeigen, Spielfiguren in die Hand nehmen und Spielzüge vorführen. Diese Einbettung des Sprechens (und Zuhörens) und des Schreibens (und Lesens) in konkrete Situationen, in denen wir Dinge mit Worten tun, interessiert mich bis heute.

Zum Beispiel untersuchen wir zur Zeit in einem Projekt, wie Gespräche am Bahnhofsschalter ablaufen und haben dazu auf den Hauptbahnhöfen in Basel, Zürich, Genf und Lugano unzählige Gespräche mit mehreren Kameras aufgezeichnet. In einem anderen Projekt untersuchen wir anhand einer grossen Sammlung von Postkarten, was Menschen seit mehr als hundert Jahren auf Ansichtskarten schreiben, die sie aus dem Urlaub an ihre Freunde, Verwandten und Bekannte schicken.